Ausstellungen 2001 - 2002

Ludwig Emil Grimm (1790 – 1863)
Hessische Radierungen

vom 28. September 2001 bis 24. Februar 2002
Selbstportrait

Ludwig Emil Grimm, der begabte Maler, Zeichner und Radierer aus der Zeit der Romantik wurde als sechstes Kind der Familie 1790 in Hanau geboren. Anders als seine Brüder Jacob und Wilhelm studierte er nicht in Marburg, sondern in München; später lehrte er als Professor an der Akademie der Bildenden Künste in Kassel.

Mit dieser Auswahl aus Ludwig Emil Grimms Werk handelt es sich um. Radierungen, an denen er mit großer Anteilnahme gearbeitet hat. Hessische Landschaften, Trachtenmotive, Märchenillustrationen und Portraits finden sich auf seinen Werken, wobei vor allem die Portraits zum besten gehören dürften, was in diesem Bereich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts geleistet worden ist.

Seine Dienstinstruktion verpflichtete Ludwig Emil Grimm zum Unterricht im Zeichnen nach Natur und Komponieren von historischen und landschaftlichen Gegenständen.

In den Bereich der historischen Darstellung gehören aus der Zeit nach Antritt seines Amtes als Akademielehrer u. a. auch drei Radierungen, in denen sich Grimm mit der Gestalt der Ahnfrau des Hessischen Landgrafen - bzw. Kurfürsten-hauses beschäftigt. Von ihnen entstand das Blatt mit dem Auszug der Fürstin zum Leben in Armut und zum Dienst an den Leidenden 1834, ein Jahr bevor sich die Heiligsprechung Elisabeths zum 600. Mal jährte.



Madame de Staël – die Mittlerin zwischen den Kulturen

vom 28. Februar bis 12. Mai 2002
Madame de Stael

Anne Louise Germaine, Baronne de Staël-Holstein, wurde am 22.4.1766 in Paris als Tochter des Finanzministers Necker und der Schriftstellerin Suzanne Necker-Curchod geboren. Im Salon ihrer Mutter erhielt sie durch D. Diderot, F. M. Grimm, G. L. L. de Buffon u.a. Enzyklopädisten die erste geistige Schulung. 1802 wurde sie von Napoleon aus Paris verbannt und kehrte erst nach der Restauration nach Frankreich zurück.

Sie bereiste Deutschland, sah in Weimar Schiller, Wieland und Goethe und lernte in Berlin A.W. Schlegel kennen, der sie nach Coppet am Genfer See begleitete, das fortan zu einem Zentrum der europäischen Romantik avancierte.

Die Freundschaft mit Schlegel und die Begegnungen und Korrespondenzen mit anderen Vertretern der deutschen Literatur regten Madame de Staël zu ihrem Hauptwerk ‘De l’Allemagne’ an, das auf die Entwicklung der französischen Romantik und des französischen Denkens überhaupt von größtem Einfluss wurde.

Die Ausstellung thematisiert das Lebensschicksal Madame de Staëls und ihre Bedeutung für die Ausbreitung romantischer Ideen in Westeuropa.



Märchenhafte Papierschnitte von Luise Neupert

vom 16. Mai bis 11. August 2002
Schrerenschnitte

“Luise Neupert ist zugleich eine der wenigen Vertreterinnen der »schwarzen Kunst«, die ihren Schnitten — mit einer einfachen kleinen Schere ausgeführt — eine unglaubliche Bewegung verleihen kann, eine geradezu phantastisch anmutende Leichtigkeit der Konturen, eine nichtendenwollende Dynamik der schwarzen und weißen Flächen und Linien, vergleichbar einem Bildhauer, der sein statisches Material mit Hammer und Meißel zum Leben erweckt.

Nur so ist es Luise Neupert gelungen, den Scherenschnitt weit aus dem Bereich des Kunsthandwerks und der Gebrauchsgraphik hinauszuführen. Stilistisch vereinigt Luise Neupert in ihrem Werk Elemente der Romantik und des Jugendstils, aber auch die expressionistischen Formen der Leipziger Graphikerschule haben in ihrem Wirken Spuren hinterlassen.

Thematisch verarbeitet die seit 1952 in Schmölln (Thüringen) ansässige Graphikerin verschiedenste Stoffe der Weltliteratur (biblische Themen, antike Autoren, Shakespeare, Goethe, Eichendorff u.a.); seit den 80er Jahren hat sie sich besonders mit der Welt der Märchen, Sagen und Legenden auseinandergesetzt. Auch verschiedene Reisen und die Begegnung mit anderen Kulturen hat sie mit ihrer Schere mit großer Erzählfreude verarbeitet. Mit ihren von besonderem Witz und bisweilen gewollt abgründiger Ironie sprühenden »Limericks« (auch in Buchform: Dresden 2000) hat sie für den Scherenschnitt gar ein ganz neues Genre geschaffen.“



Die deutschen Sagen der Brüder Grimm.

vom 14. August bis 13. Oktober 2002
Deutsche Sagen

„Es wird dem Menschen von heimaths wegen ein guter Engel beigegeben, der ihn , wann er ins Leben auszieht, unter der vertraulichen Gestalt eines Mitwandernden begleitet. Diese wohltätige Begleitung ist das unerschöpfliche Gut der Märchen, Sagen und Geschichte.“

Dies schrieben Jacob und Wilhelm Grimm 1816 in der Vorrede zum ersten Band ihrer Sammlung „Deutsche Sagen“.

Die 70 Exponate umfassen Illustrationen und Gemälde zu den Sagen mit Schwerpunkt auf den Rheinsagen, dem Rattenfänger von Hammeln und Rübezahl. Dazu kommen zum Teil sehr seltene, bis aus dem 16. Jahrhundert stammende Bücher, als Original oder Faksimile, die als Quellen dienten, sowie verschiedene Ausgaben der Deutschen Sagen.

Vier interessante Texttafeln versorgen den Besucher der Ausstellung mit den nötigsten Hintergrundinformationen zur Geschichte der Sagen, der Rezeption der Grimmschen Sammlung sowie zum Spezialthema „Dämonen in der europäischen Sagentradition“.



Schaukelpferd und Schnürkorsett – Kindheit um 1800

vom 24. Oktober 2002 bis 12. Januar 2003
Kindheit um 1800

Buch und Ausstellung "Schaukelpferd und Schnürkorsett - Kindheit um 1800" nähern sich der Geschichte der Kindheit nicht allein mit dem Blick au die Kinderwelten in ihren jeweils verschiedenen Milieus und historischen Kontexten.

So war die "neu entdeckte" Kindheit im Bürgertum um 1800 zwar leitbildgebend - bis sich diese Muster aber in bäuerlichen Schichten oder im Arbeitermilieu durchsetzten, wo Kindsein noch lange von der Notwendigkeit des Broterwerbs geprägt war, verging noch mehr als ein ganzes Jahrhundert.

"Schnürkorsett" steht somit auch im übertragenen Sinn für Zwänge und Entbehrungen, die Kinder betroffen haben, die nicht zur gesellschaftstragenden Schicht des Bürgertums gehörten.

Die Ausstellung wurde von einem Seminar des Instituts für Europäische Ethnologie/ Kulturwissenschaft der Philipps-Universität Marburg unter der Seminarleitung von Frau PD Dr. Marita Metz-Becker konzipiert. Unter dem gleichen Titel erscheint im Oktober 2002 ein Ausstellungskatalog im Jonas-Verlag Marburg. Herausgeberin ist Marita Metz-Becker.